Ernst & Young European Automotive Survey 2009:
Mehr als die Hälfte der Unternehmen in der europäischen Automobilindustrie rechnen mit sinkenden Verkaufszahlen im Jahr 2010. Daraus resultierend wollen drei Viertel in Zukunft sparen, dies gilt insbesondere für den Bereich Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig wird für die kommenden Jahre eine Reihe von Fusionen unter den Herstellern erwartet. Die größte Hoffnung für die Zukunft wird in das Kleinwagensegment gesetzt. Das sind Ergebnisse des „European Automotive Survey 2009“ des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young. Befragt wurden Manager von 300 europäischen Unternehmen aus der Automobilindustrie.
Im Ländervergleich kann sich Deutschland auch in der Krise aus Sicht ausländischer Automobilmanager als führender Automobilstandort weltweit behaupten. Im zentral- und osteuropäischen Raum bescheinigen jeweils 28 Prozent der Befragten der slowakischen und der tschechischen Automobilindustrie eine hohe Wettbewerbsfähigkeit. Damit erhalten diese beiden Länder unter den osteuropäischen Standorten die besten Noten. In Österreich ist traditionell insbesondere die Automobilzulieferindustrie betroffen. “Die heimische Zulieferbranche muss sich neu definieren, um den geänderten Kundenbedürfnissen auch in Zukunft gerecht werden zu können: Gleichzeitig steht sie aber vor der Herausforderung, weiterhin den Standard in punkto Innovationskraft, Qualität und Fahrfreude zu definieren“, so Edith Schmit, Geschäftsführerin bei Ernst & Young in Österreich und Expertin der Branchengruppe Automotive.
Premiumsegment bleibt unter Druck – Ausblick nach staatlichen Prämien
Wenn in mehreren europäischen Ländern die staatlichen Stützungsmaßnahmen für die Autoindustrie auslaufen, wird dies nach Meinung der Branche zu weniger Neuwagenkäufen führen: 61 Prozent der Unternehmen stellen sich auf sinkende Verkaufszahlen im Jahr 2010 ein, nur 13 Prozent erwarten einen positiven Trend bei den Neuzulassungen. Im Durchschnitt geht die Branche von einer 14-monatigen Dauer der Absatzkrise aus – erst Ende 2010 werden die Pkw-Neuzulassungen in Europa wieder steigen. Mittelfristig wird nach Meinung der Branche gerade das Kleinwagensegment wachsen, während sich Fahrzeuge der Ober- und Luxusklasse schlechter verkaufen werden. 70 Prozent der Automobilmanager erwarten eine positive Entwicklung bei den Verkaufszahlen der Kleinwagen, nur 19 Prozent sehen im Premiumsegment einen Anstieg der Neuzulassungen. 45 Prozent erwarten hingegen zurückgehende Neuwagenverkäufe im Top-Segment.
Allgemein wird befürchtet, dass das Auslaufen der Verschrottungsprämie einen Einbruch bei den Neuzulassungen zur Folge haben wird – allerdings vor allem im Kleinwagensegment, das am stärksten von den Subventionen profitiert hatte. „Der österreichische Autohandel hingegen hat das Ende der Verschrottungsprämie offenbar relativ gut überstanden: Nach einem guten Sommer wurden auch im September starke Verkäufe erzielt“, so Schmit, Geschäftsführerin bei Ernst & Young.
Unternehmen sparen – zukünftige Wettbewerbsfähigkeit gefährdet
Überall in der Automobilindustrie regiert derzeit der Rotstift: 76 Prozent der Befragten geben an, dass Kostensenkungsmaßnahmen für ihr Unternehmen aktuell von sehr großer Bedeutung sind. Anstrengungen im Bereich Forschung und Entwicklung spielen hingegen nur bei 64 Prozent der Befragten eine sehr wichtige Rolle. „Viele Unternehmen kämpfen derzeit ums Überleben, da sparen sie, wo immer sie können – alles steht auf dem Prüfstand“, beobachtet Schmit. Allerdings komme die Absatzkrise zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. „Viele Unternehmen – sowohl Zulieferer als auch Hersteller – müssen sich jetzt neu ausrichten und erhebliche Investitionen in Innovationen tätigen; dies vor allem in Forschung und Entwicklung. Der Erfolg der österreichischen Zulieferer wird im Wesentlichen davon abhängen, dass ausreichend Finanzkraft für den Bereich Forschung und Entwicklung aufgebracht wird und mit den Herstellern fixe Projektkooperationen abgeschlossen werden.“
„Prinzipiell werden neue Anforderungen an die Technologiekompetenz und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen gestellt. Bei tendenziell sinkender Marge und schwachen Umsätzen müssten die Unternehmen genug Finanzkraft aufbringen, um aus eigener Kraft oder durch Kooperationen die Zukunftstechnologien entwickeln zu können, die über ihren zukünftigen Markterfolg entscheiden werden. Den Unternehmen, die jetzt den Anschluss verpassen, weil sie die enormen Innovationskosten nicht finanzieren können, könnte mittelfristig das Aus drohen“, prognostiziert Schmit.
Konsolidierungsprozess erwartet
Nicht alle Unternehmen werden die aktuelle Absatzkrise überleben und den zukünftigen Herausforderungen gewachsen sein: Jeder dritte Automanager geht davon aus, dass es zu Fusionen unter den Herstellern kommen wird, immerhin 14 Prozent der Befragten erwarten sogar, dass weitere Autohersteller insolvent werden. Vor allem die Hersteller selbst gehen davon aus, dass sich ihre Reihen lichten werden: Jeder zweite Manager eines europäischen Automobilherstellers erwartet, dass es in den kommenden Monaten zu Fusionen unter Herstellern kommen wird. Schmit: „Die Branche sortiert sich neu: Während die Hersteller mit Finanzierungsproblemen und schwachen Absatzzahlen kämpfen, stehen gerade in China und Indien neue finanzstarke Player in den Startlöchern.“
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Dipl.-BW (FH) Sonja SteurCorporate CommunicationsErnst & YoungWagramer Straße 19A-1220 WienTelefon +43 (1) 211 70-1156E-Mail: presse@at.ey.com
Hier finden Sie die Befragungsergebnisse der Studie "European Automotive Survey 2009" (pdf, 725kb) als Download.
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